Mein Kind ist hochsensibel – wie sage ich es in der Schule?

Wie führe ich ein Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer?

 

„Wie sage ich es in der Schule, dass mein Kind hochsensibel ist?“, diese Frage bekomme ich oft gestellt.

 

 

„Tja, das ist ein sehr sensibles Thema, welches auch sehr sensibel behandelt werden sollte“, so meine Antwort.

Als mein Kind noch ein Schulkind war, gab es den Begriff „Hochsensibilität“ noch nicht, aber ich kenne die Herausforderungen über das Thema Feinfühligkeit und Sensibilität von Kindern mit den Lehrkräften zu sprechen. Die erhöhte Sensibilität bzw. die Umschreibungen für diesen angeborene Charaktereigenschaft wurden damals oftmals belächelt oder einfach abgetan. Zum Glück gibt es heutzutage den wissenschaftlichen Begriff „Hochsensibilität“ (nach E. Aron) und inzwischen auch viele Studien zu diesem Thema!

Das Thema „Hochsensibilität“ ist aber scheinbar immer noch nicht überall angekommen – dabei wäre es so wichtig in Kita und Schule mehr über die intensivere Wahrnehmung und Gefühlswelt der hochsensiblen Kinder zu wissen, um so mehr Verständnis und Akzeptanz für hochsensible Kinder zu entwickeln. (Siehe hierzu auch mein Video „Ist mein mein Kind eine Mimose?“- Link: hier klicken

Um 1995 habe ich erste Fortbildungen in Kindergärten und Schulen angeleitet und seit 2005 bin ich Dozentin in der Lehrerfortbildung zum Thema „Kinderyoga und Stressreduktion“. Seit 2017 darf ich das Thema „Hochsensible Kinder verstehen und fördern“ unterrichten. Ich bin also seit vielen Jahren in Kontakt mit Erzieher*innen und Lehrkräften und freue mich immer über die anregenden Gespräche in den Pausen. Manchmal erzählen mir die Teilnehmer*innen auch ihre Sorgen und Nöte.

Die Lehrkräfte sind meiner Meinung nach in unserem heutigen Schulsystem sehr gefordert. Nach Inklusion liegt momentan der Fokus auf „Diversität in Schulklassen“, dazu gehört auch das Thema „Hochsensibilität“.

 

Tipp 1: Eltern von hochsensiblen Kindern rate ich den Begriff „Hochsensibilität“ erst einmal zu umschreiben und nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen.

Hochsensibilität klingt irgendwie „hochtrabend“. In meinen Fachvorträgen weiche ich daher auf andere Begrifflichkeiten aus, um keine Vorurteile zu wecken, weil:

„Der Grund ist, dass ich irgendwann bemerkt habe, insbesondere im Zeitfenster um 2018/2019, dass das Thema Hochsensibilität immer mehr in die Medien gekommen ist und viele Magazine, Zeitschriften und Zeitungen darüber geschrieben haben. Das Interview von Prinzessin Märtha Louise „Prinzessin auf der Erbse“, anlässlich ihrer Buchvorstellungstour in Deutschland, hat wohl beinahe jede Tageszeitung abgedruckt. Durch diese Medienwirksamkeit hat Hochsensibilität eine Art Mode-Hype erfahren. So jedenfalls habe ich es wahrgenommen und fand es nicht unbedingt für dieses komplexe und sensible Thema förderlich.

Auf einmal merkte ich, dass einige (nein, sogar viele!) Lehrerinnen und Lehrer sehr ablehnend auf das Thema reagierten. Auf meine Nachfragen bekam ich dann ähnliche Antworten, nämlich, dass sie von diesem Thema einfach genervt seien, weil die Mütter (oder Väter) oftmals ein riesen Brimborium daraus machen würden, um unterschiedliche Verhaltensweisen ihrer Kinder zu relativieren und zu entschuldigen. Die Lehrkräfte bekämen von den Eltern Anweisungen, wie sie mit den „hochsensiblen“ Kindern umgehen sollten.

Scheinbar waren auf einmal sehr viele Kinder hochsensibel. Aber nicht alle sensiblen, schüchternen Kinder sind wirklich hochsensibel. Dieser Hype wird den „echten“ hochsensiblen Kindern, die von Geburt an hochsensibel sind, nicht gerecht“ (aus meinem Buch „Mein Kind ist nicht wunderlich, sondern wundervoll und total normal“ – Link zum Buch, hier klicken).

 

 

 

Tipp 2: Erzähle der Lehrkraft von deinem Kind und insbesondere, dass es sehr sensibel ist. Beschreibe einige Verhaltensbesonderheiten und Schwierigkeiten von deinem Kind. Scheue dich nicht zu erzählen, wie sehr sich dein Kind Dinge zu Herzen nimmt und wie lange es zuhause darüber nachdenkt.

Dadurch kann die Lehrerin oder der Lehrer dein Kind von einer anderen Seite kennenlernen. Vielleicht hat die Lehrkraft im hektischen Schulalltag einen ganz anderen Eindruck von deinem Kind gewonnen.

Tipp 3:   Berichte, falls es auf dein Kind zutrifft, dass es zum Perfektionismus neigt und dies auch der Grund ist, warum es sich oftmals nicht im Unterricht meldet, obwohl es so viele Dinge weiß und sehr interessiert ist.

Wichtig: Viele Kinder setzen sich eine Art Schutzmaske auf und so kann ein ganz falsches Bild entstehen.

Tipp 4: Sprich das Thema „Stress“ an, erzähle, wie gestresst dein Kind durch die Reizoffenheit ist. An dieser Stelle darfst du von einer angeborenen Besonderheit sprechen, die Wissenschaft nennt dies „Hochsensibilität“.

Tipp 5: Erkläre, wie du auf das Thema gestoßen sind und du erkannst hast, dass viele Facetten der Hochsensibilität auf dein Kind zutreffen. Vermeide es möglichst, die Tests bzw. Fragebögen zum Thema „Hochsensibilität“ zu erwähnen – diese dienen oftmals nur als Anhaltspunkte und finden keine wissenschaftliche Akzeptanz.

Aus meiner Erfahrung möchte ich Ihnen Mut machen, sich immer hinter das Kind zu stellen und es in seinem Wesen zu stärken. Hochsensible Kinder haben ein mangelndes Selbstwertgefühl und stellen ihre Gefühle und Wahrnehmungen infrage.

Hinweis: zu diesem Thema wird demnächst auch ein Video bei Youtube hochgeladen

Seit ein paar Jahren begegnen mir immer wieder so wundervolle Lehrkräfte, voller Offenheit und auch Motivation den sensibleren Kindern zur Seite zu stehen.

Meine Hundefigur „Amigo“ agiert als Mutmacher und Botschafter für hochsensible Kinder. Es gibt einen besonderen Blogbeitrag der sich an Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen und Pädagogische Mitarbeiter*innen richtet. In diesen Brief wird die Wahrnehmungs- und Gefühlswelt der hochsensiblen Kinder aus kindersicht geschildert. Link zum Beitrag: – hier klicken

 

Falls Sie weitere Tipps benötigen stehe ich für ein Beratungsgespräch gerne zur Verfügung.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kind eine empathische Lehrerin oder Lehrer,

herzlichst Sabina Pilguj

Sabina Pilguj
sabiza@t-online.de

Im Sonnenjahr 2017 habe ich mich entschlossen mit einem Blog „Ibiza"- Ich bin ich - zentriert und achtsam“ online zu gehen. Ich schreibe über alltägliche Themen, über Hochsensibilität, mein Herzensanliegen "Hochsensible Kinder stärken", den Lifestyle-Hippie, Yoga und Kinderyoga sowie über unsere tierischen Freunde.

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